Zweitwohnsitz: Wissenswertes zur Anmeldung und Steuer

Ob Studium, duale Ausbildung oder ein Job in einer anderen Stadt fernab der Familie – manchmal ist ein Zweitwohnsitz unerlässlich. Dieser Beitrag erklärt, worauf ihr bei der Anmeldung einer zweiten Wohnstätte sowie bei der Zweitwohnsitzsteuer achten müsst.

Zweitwohnsitz mit Klinkerfassade. Foto:  KRiemer/pixabay.com
Auch für Zweitwohnungen gibt es eine Meldepflicht. Foto:  KRiemer/pixabay.com

Inhalt:

Unterschied zwischen Haupt- und Nebenwohnsitz

Ob eine Wohnung als Haupt- oder Nebenwohnsitz gilt, hängt in erster Linie davon ab, wo ihr euren Lebensmittelpunkt habt. In den meisten Fällen verbringt ihr an eurem Hauptwohnsitz einen Großteil eurer Freizeit, während ein Zweitwohnsitz nur zeitweilig bewohnt wird. Doch das allein ist nicht ausschlaggebend. Falls ihr mit eurem Partner oder eurer Partnerin eine gemeinsame Wohnung bewohnt, aber unter der Woche beruflich in eine andere Stadt pendeln müsst, wird meist dennoch die gemeinsame Wohnung als Hauptwohnsitz definiert. Die persönliche Bindung wird in der Regel also stärker gewichtet als die Tatsache, dass einer der Partner*innen mehr Zeit in der Zweitwohnung verbringt. Wer viel unterwegs ist und an mehreren Orten längere Zeit verbringt, kann auch mehrere Nebenwohnsitze anmelden.

Zweitwohnsitz anmelden

Wer eine Zweitwohnung anmietet oder kauft und mehr als sechs Monate dort verbringt, muss die Wohnstätte als Zweitwohnsitz anmelden. Das schreibt das deutsche Meldegesetz vor.

Wann ist die Anmeldung fällig?

Nach dem Meldegesetz müsst ihr euren Zweitwohnsitz innerhalb von zwei Wochen nach dem Umzug anmelden. Geschieht dies nicht, riskiert ihr ein Bußgeld.

In welchen Fällen ist keine Anmeldung nötig?

Solltet ihr euch weniger als sechs Monate in der Zweitwohnung aufhalten oder euer Zweitwohnsitz im Ausland sein, ist keine Anmeldung in Deutschland erforderlich. Falls ihr an eurem Zweitwohnsitz in einer Gemeinschaftsunterkunft lebt, ist die Anmeldung ebenfalls nicht nötig. Das ist beispielsweise bei folgenden Personengruppen der Fall:

  • Zivildienst-, Bundesfreiwilligendienst- oder Wehrdienstleistende
  • Soldaten, Soldatinnen und Polizeivollzugsbeamte
  • Personen im öffentlichen Dienst, die an Fortbildungen oder Lehrgängen teilnehmen
  • Personen in therapeutischen oder Erziehungseinrichtungen
  • Personen in Alten- oder Pflegeheimen
  • Gefängnisinsassen

Wo melde ich meine Zweitwohnung an?

Für die Anmeldung könnt ihr in den meisten Fällen über das Internetportal der Stadt oder Gemeinde einen Termin fürs Einwohnermeldeamt vereinbaren. So vermeidet ihr lange Wartezeiten und ein Verstreichen der zweiwöchigen Frist.

Welche Unterlagen brauche ich?

Für die Anmeldung eures Zweitwohnsitzes benötigt folgende Unterlagen:

  • Ausgefülltes Anmeldeformular
  • Gültiger Personalausweis
  • Geburtsurkunde aller Kinder, die in der Wohnung leben werden
  • Ggf. Eheurkunde oder Scheidungsurteil
  • Wohnungsgeberbestätigung im Falle einer Mietwohnung

Viele Behörden stellen das Anmeldeformular digital zum Download bereit, doch alle haben Exemplare vor Ort.

Voraussetzungen für die Anerkennung als Zweitwohnung

Damit das Finanzamt euren Zweitwohnsitz als doppelte Haushaltsführung in der Steuererklärung anerkennt, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ihr braucht die Zweitwohnung aus beruflichen Gründen
  • Der Erstwohnsitz und der Arbeitsort liegen weit auseinander, sodass die Strecke im Alltag nicht bewältigt werden kann. Der Zweitwohnsitz darf höchstens halb so weit vom Arbeitsort entfernt sein wie der Hauptwohnsitz.
  • Euer Lebensmittelpunkt muss der Hauptwohnsitz sein. Überprüft wird dies anhand
  • der Größe und Ausstattung der Wohnungen, der Länge und Häufigkeit eurer Aufenthalte sowie anhand der sozialen Vernetzung an den Wohnorten.
  • Ihr müsst mindestens zehn Prozent der laufenden Kosten an eurem Hauptwohnsitz übernehmen.

Kosten der doppelten Haushaltsführung steuerlich absetzen

Nur wenn das Finanzamt den Zweitwohnsitz als solchen anerkannt hat, könnt ihr die Kosten der doppelten Haushaltsführung steuerlich absetzen. Diese Summe ist jedoch auf maximal 1000 Euro pro Monat begrenzt.

Ein Zweitwohnsitz ist steuerlich relevant.  Foto: nattanan23/pixabay.com
Die doppelte Haushaltsführung könnt ihr von der Steuer absetzen. Foto: nattanan23/pixabay.com

Unter anderen könnt ihr folgende Aufwendungen steuerlich als Werbungskosten geltend machen:

  • Umzugskosten
  • Miete- und Nebenkosten
  • Gebühren für Rundfunk, Müllabfuhr, Gartenpflege
  • Stellplatzkosten für ein Kraftfahrzeug
  • Zweitwohnungssteuer
  • Renovierungskosten
  • Fahrtkosten
  • Kosten für notwendige Möbel

Zweitwohnsitzsteuer – wer befreit ist und wer nicht

In vielen Städten wird eine Zweitwohnsitzsteuer fällig, wenn ihr dort einen Nebenwohnsitz anmeldet. Das liegt daran, dass die Stadt oder Gemeinde für Person mit Nebenwohnsitz keine Zuschüsse aus dem kommunalen Finanzausgleich bekommt – für Personen mit Hauptwohnsitz allerdings schon. Diese Einkunftseinbuße gleichen viele Städte mit der Zweitwohnsitzsteuer aus.

Begründet wird die Steuer damit, dass auch Personen, die ihren Zweitwohnsitz in der jeweiligen Stadt haben, öffentliche Einrichtungen wie Bibliotheken oder Schwimmbäder nutzen. Die Steuereinnahmen werden unter anderem für die Instandhaltung dieser Einrichtungen verwendet.

Wie wird die Zweitwohnungssteuer berechnet?

Es gibt keine bundesweite Regelung für die Höhe der Zweitwohnsitzsteuer. Jede Kommune bestimmt eigenständig, wie hoch sie ausfällt. In der Regel beträgt sie zwischen fünf und zehn Prozent der Jahresnettokaltmiete. In einigen Städten, beispielsweise in Berlin, ist sie mit rund fünfzehn Prozent am höchsten.

Wer muss die Zweitwohnsitzsteuer zahlen und wer ist befreit?

Grundsätzlich ist jede Person mit einem Zweitwohnsitz zum Zahlen der Zweitwohnsitzsteuer verpflichtet. Einige Personengruppen sind jedoch von der Steuer befreit. Hierzu zählen berufspendelnde Eheleute bzw. eingetragene Lebenspartner, Jugendliche unter 16 Jahren, Personen in Pflege- und Altenheimen sowie Wehrdienstleistende und Polizeivollzugsbeamte, die in Gemeinschaftsunterkünften leben. Auch Häftlinge oder Personen, die vorübergehend (weniger als sechs Monate) in einem Hotel oder einer Pension wohnen, sind befreit. Azubis können sich befreien lassen, wenn sie ihren Zweitwohnsitz bei den Eltern anmelden und finanziell von den Eltern abhängig sind.

Gelten Ferienwohnungen und Auslandswohnsitze als Zweitwohnsitz?

Eine Ferienwohnung gilt als Zweitwohnsitz, wenn ihr sie ständig oder länger als sechs Monate pro Jahr selbst bewohnt. Sobald eine Ferienwohnung privat genutzt wird, ist auch für diese Unterkunft die Zweitwohnsitzsteuer Pflicht.

Amelie Hanke

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