Was passiert mit der Wohnungseinrichtung im Erbfall?

Ein Beitrag von Rechtsanwalt Ralph Butenberg, Fachanwalt für Erbrecht und Steuerrecht der Kanzlei ROSE & PARTNER LLP.

Bei einer Erbschaft denken viele zunächst an Immobilien und Bankkonten. Da der Erbe bzw. die Erbengemeinschaft Eigentümer des Gesamtnachlasses wird, kann auch die Wohnungseinrichtung zur Erbschaft gehören.

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Ganz gleich, ob teure Vase oder wertvolles Porzellan – im Testament sollte der Erblasser klar formulieren, wem er die Gegenstände im Haushalt vererbt. Foto: surfmedia/fotolia.com

Selbst wenn ein Testament vorliegt, kommt es oft zum Streit darüber, wem die Gegenstände im Haushalt des Verstorbenen gehören. Häufig wird dies nicht klar im Testament formuliert, sodass eine Auslegung der letztwilligen Verfügung erfolgen muss. Von der Auslegung hängt es dann ab, ob derjenige, der die Wohnung erbt, auch die in der Wohnung befindlichen Einrichtungsgegenstände sowie den Hausrat bekommt.

Der Voraus des Ehegatten

Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge. Zu den gesetzlichen Erben gehört unter anderem der Ehegatte des Verstorbenen. Dieser hat Anspruch auf den sogenannten Voraus. Der Anspruch bezieht sich auf die zum Haushalt des Erblassers gehörenden Gegenstände, die der Ehegatte vorab, also vor Verteilung des Nachlasses, an sich nehmen darf.

Unter Haushaltsgegenständen versteht das Erbrecht beispielsweise Möbel, Teppiche und Haushaltsgeräte, aber auch Bücher und CDs. Dinge aus dem persönlichen Gebrauch des Verstorbenen wie Kleidung und Schmuck zählen nicht zu den Haushaltsgegenständen.

Voraussetzung dafür, dass der Ehegatte des Verstorbenen das Voraus erhält, ist, dass er mit dem Verstorbenen einen gemeinsamen Haushalt führte. Falls neben der Witwe bzw. dem Witwer auch die Kinder des Verstorbenen erben, darf der Ehepartner nur die Haushaltsgegenstände vorab an sich nehmen, die er zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt.

Erbschaftsteuer: Freibeträge für Haushalts- und Einrichtungsgegenstände

Auch in steuerlicher Hinsicht gibt es Besonderheiten bei der geerbten Wohnungseinrichtung zu beachten. Grundsätzlich unterliegt jede Erbschaft der Erbschaftsteuer. Für bestimmte Personen und Vermögenswerte gibt es jedoch Freibeträge und Ausnahmen.

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Jeder Erbe muss eine Erbschaftsteuererklärung abgeben. Foto: Halfpoint/fotolia.com

Beim Hausrat sieht das Erbschaftsteuergesetz einen Freibetrag in Höhe von 41.000 Euro für nahe Angehörige (Erbschaftsteuerklasse I) bzw. 12.000 Euro für sonstige Personen vor. Gerade wenn entfernte Verwandte oder Freunde als Erben des Hausrats und der Wohnungseinrichtung im Testament eingesetzt werden, können sie diese Vergünstigung gut gebrauchen. Schließlich haben sie einen persönlichen Freibetrag in Höhe von 20.000 Euro innerhalb von zehn Jahren auf das Gesamterbe – nicht besonders viel im Vergleich zu den üppigen 400.000 Euro, die zum Beispiel Kindern des Erblassers zustehen.

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